Das
Volkstrautonium |
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Hier das Trautonium
im Ursprungszustand ohne Röhren mit defekten Potis und Drehkondensatoren.
Ein hoffungsloser Fall? ... Nein, geht nicht gibt's nicht! |
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Um eine Liste aller Bauteile erstellen zu können befreite ich das Trautonium zunächst einmal von Staub und Rost. So langsam konnte man unter der 76 Jahre alten Patina die ein oder andere Typenbezeichnung der Bauteile erkennen. Nicht alle Bezeichnungen stimmten mit den Messwerten überein, so das sich bereits in diesem ersten Arbeitsschritt mehrere defekte Bauteile herauskristallisierten. So z.B. die beiden Drehkondensatoren, ein 2K Ohm 10W Drahtpoti und ein Kohle-Druckwiderstand. Da es sich bei den hier verwendeten Bauteilen größtenteils um nicht zu beschaffene Unikate handelt, bestand keine Möglichkeit diese Bauteile zu ersetzen. Also musste ich das Innenleben dieser Bauteile Restaurieren. Die Drehkondensatoren ließen sich recht komfortabel an den 4 Nietstellen öffnen und nach Restauration wieder einwandfrei in den Originalzustand versetzen. Etwas komplizierter wurde es mit dem Kohle-Druckwiderstand. Nach 76 Jahren war der Kohlestaub bereits zu einem äußerst widerspenstigem, spröden Diamantplättchen mutiert. An Ersatz heranzukommen war nicht zu denken,
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also verwendete ich als Grundmaterial ein Stück leitfähiges Moosgummi, wie es zur Aufbewahrung von CMOS-Bauteilen verwendet wird. Ich stanzte fein säuberlich eine kreisrunde Scheibe heraus und setzte sie in das Gehäuse des Kohle-Druckwiderstands ein. Das messtechnische Ergebnis war überzeugend. |
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Nachdem nun alle Bauteile erfasst, und alle offensichtlich defekten Bauteile restauriert waren musste ein Schaltplan her. Im Internet fand ich zumindest schon einmal das Prinzipschaltbild welches jedoch mit diesem real existierenden Modell nicht viel gemeinsam hatte. Ich musste also die komplette Schaltung zunächst von Hand aus dem Trautonium auf Papier übertragen. Zugegeben, nicht gerade übersichtlich. Anschließend habe ich von meiner Picasso-Zeichnung eine brauchbare Zeichnung angefertigt mit der ich gut Arbeiten konnte.
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Im Laufe der Reparaturarbeiten kamen immer wieder Ungereimtheiten auf, welche darauf schließen ließen, das in der Vergangenheit bereits mehrere Reparaturversuche unternommen wurden. Da ich das mir anvertraute Gerät nicht modifizieren, sondern originalgetreu restaurieren wollte, musste ich zunächst alle fehlerhaften Modifikationen in den logischen Originalzustand zurückversetzten. |
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Ausnahmen bestätigen die Regel!Anodenkraftwerk:Natürlich macht es heutzutage keinen Sinn mehr ein Trautonium mit einer Anodenbatterie zu betreiben. Abgesehen davon, das solche Batterien nicht mehr zu beschaffen sind, und selbst wenn, wären sie mit Sicherheit nicht mehr funktionstüchtig, musste Ersatz her. Da das Gerät ohnehin mit einen 220V Anschluss für die Heizspannung ausgestattet war, konstruierte ich ein galvanisch getrenntes, geregeltes Gleichspannungs-Netzteil für die positive 150V Anodenspannung und die negative 20V Gitterspannung im Anodenbatterie-Design zum Betrieb der Röhren.
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Tongenerator:Was ist das eigentlich für eine Röhre die den guten Ton macht? Telefunken RK1 Da streiten sich die Gelehrten. Auf der Suche nach einer original RK1 Telefunkenröhre stößt man immer wieder auf Widersprüche. Ist es eine Gleichrichterröhre, ein Thyratron oder eine Kippröhre? Niemand kann hier wirklich sachdienliche Hinweise liefern. Eins steht fest! Das Trautonium der "Neuzeit" welches von Oscar Sala gespielt wurde hatte als Tongenerator eine AC50 Thyratron Röhre. Das mir anvertraute Volkstrautonium BJ. 1933 leider noch nicht. Abgesehen davon das die Röhren ohnehin fehlten und nicht mehr zu beschaffen sind, machte ich zunächst einen externen Versuchsaufbau. Da der Generator des Volkstrautonium prinzipiell dem späteren Mixtur-Trautonium-Oszillator ähnlich aufgebaut war, wollte ich es mit einer AC50 Röhre versuchen. Woher nehmen? wieder auf der Suche im WWW google, ebay ... und was nicht noch alles. Bingo! kaum zu bezahlen, aber was soll's, also her damit! Eine original AC50 "jüngeren Datums" 1936, wie versprochen in exzellentem Zustand. Wehmachtseigentum. Kann ich daran eigentlich Eigentum erwerben? ... Egal, ran an die Arbeit. Der Sockel dieser Röhre ist natürlich ein ganz andere. Wie schon gesagt, Modifikation des Trautoniums kommt nicht in Betracht. Also muss ein Adapter angefertigt werden. Zum Glück habe ich ja noch 14 Verstärkerröhren die für den Einsatz im Trautonium meinem Qualitätsstandard nicht gerecht wurden. Also in einen Lappen gewickelt und kurz entschlossen, Bum, Bum, Bum mit dem Hammer drauf und ausgeschüttelt. Glas in den Müll und Sockel fein säuberlich für die Konstruktion eines Adapters freigestellt. Eine Röhrenfassung für die AC50 hatte ich mir bereits teuer erkauft. Alles passt beispielhaft mechanisch zusammen. Alle erforderlichen Bauteile und Verdrahtungen des Adapters passen gut in den neu gewonnenen Röhrensockel.
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Anschließend nach Datenblatt der AC50 die erforderlichen Spannungen und Ströme mit entsprechenden Widerständen und Kondensatoren im Röhrensockel untergebracht und die Versuchsschaltung absolviert ihre Testreihe mit Bravur. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen.
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Last but not least: Die ebenfalls unmöglich zu beschaffende Widerstandssaite,
Quasi das Manual des Trautoniums. Leider war diese gerissen und notdürftig
geflickt. So konnte das nicht bleiben. Da half auch kein Internet, aber
was tut man nicht alles wenn's einen einmal gepackt hat. Laut Internetrecherchen
handelte es sich damals um einen mit Widerstandsdraht umwickelten Nylon-Kern,
was natürlich Nonsens ist, denn 1933 gab es noch kein Nylon. Hierzu
ein Zitat aus WIKI:.
Man kann sich denken, das diese Saite nicht gerade günstig zu haben war, aber was soll's, nun läuft das Volkstrautonium wieder einwandfrei. Ich kann mir kaum vorstellen, das es auf dieser Welt noch ein Volkstrautonium in diesem 1A Zustand gibt. Weder im Berliner Museum, noch sonst irgend wo. Bitte haben Sie Verständnis, das der Auftraggeber meines Tratonium-Projekts anonym bleiben möchte. Also bitte keine Anfragen diesbezüglich. Ansonsten helfe ich gern. |
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